Rauma Rauma Stadt
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Rauma ist die drittälteste Stadt Finnlands. Als offizielles Gründungsjahr gilt 1442, denn am 17. April dieses Jahres erhielt die Stadt durch den Ritter Karl Knutsson, einen Abgesandten des kurz zuvor inthronisierten schwedischen Königs Christopher, das offizielle Handelsrecht (Finnland war bis in die Neuzeit hinein Bestandteil des schwedischen Königreichs).

In der Gründungsurkunde wurden auch die grundlegenden Bürgerrechte festgeschrieben. Ein regionales Zentrum für Handel und Glauben war Rauma zu dieser Zeit bereits, dank einer spätestens Anfang des 15. Jahrhunderts erfolgten Klostergründung: Franziskaner aus Eurajoki hatten nach der Aufgabe der Burg Vregdenborg beschlossen, sich in Rauma niederzulassen.

Wer von Rauma spricht, kommt um die Seefahrt nicht herum. Die Handelsbeziehungen des Hafens mit dem übrigen Ostseeraum reichen weiter zurück als die schriftliche Überlieferung. Mit wachsender Bedeutung des Handelsfleckens wurden auch mehr und mehr Straßen in andere Landesteile gebaut. Allmählich auf dem Weg zur Stadt, erhielt Rauma Mitte des 14. Jahrhunderts die erste Kirche (die heute nur noch als Ruine erhaltene Dreifaltigkeitskirche). Es wird vermutet, dass auch das Franziskanerkloster in Wirklichkeit bereits im 14. Jahrhundert gegründet wurde. Das Handelszentrum war nun dabei, sich auch zu einem kulturellen Mittelpunkt zu entwickeln.

Die Stadtbevölkerung war äußerst aktiv. Wann immer in Stockholm der Monarch wechselte, ließen sich die Leute von Rauma ihre Stadt- und Handelsrechte aufs neue bestätigen. Als bedeutender Handelshafen versorgte Rauma einen großen Teil Südfinnlands mit Gütern. Von Rauma aus wurden Rohholz und Holzwaren, Butter, Tierfelle, Trockenhecht und Robbenfett nach Stockholm, Deutschland, in die baltischen und sogar bis in die Nordseeanliegerstaaten exportiert. Importiert wurden im Gegenzug Stoffe, Salz, Wein, Gewürze und Mais.

Im 16. Jahrhundert wurde die Bevölkerung Raumas durch zwei schwere Pestepidemien erheblich dezimiert. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl auf 500-600 Personen geschrumpft. Ein weiterer schwerer Schlag war der Verlust der internationalen Seehandelsrechte. Über einen Zeitraum von 130 Jahren durften Güter nur noch von und nach Stockholm und Turku geliefert werden.

Zusätzlich verschlimmert wurde die Rezession durch zwei Großbrände, welche die aus Holz gebaute Stadt nahezu vollständig zerstörten. Auch die ehrwürdige Dreifaltigkeitskirche wurde ein Raub der Flammen. Sie wurde nicht wieder aufgebaut, sondern die Klosterkirche (Heilig Kreuz) wurde zur Gemeindekirche umfunktioniert.

Im Krimkrieg im Sommer 1855 wurde Rauma zweifach von feindlichen Schiffen aus bombardiert, und die Lagerhäuser des Hafens einschließlich des Holzlagers gingen in Flammen auf. Doch die Stadt gab sich nicht geschlagen. Sobald der Krieg vorbei war, wurden Handel und Industrie wieder zum Leben erweckt, und auch der Seehafen erhielt endlich seine alten Rechte zurück. Es dauerte nicht lange, bis Rauma wieder zu einem wichtigen Umschlagplatz aufstieg.

Ende des 19. Jahrhunderts kam eine Zeit massiver Investitionen. Als einzige Stadt Finnlands baute Rauma eine eigene Eisenbahnlinie mit voller Spurbreite. Sie war 47 km lang und führte von Rauma nach Peipohja (Kokemäki). Ein weiteres Großprojekt war die Einrichtung eines Lehrerseminars in Rauma. Beide Maßnahmen halfen mit, Raumas Position unter den finnischen Städten zu etablieren und das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Region zu stärken.

Auf der Schwelle zum 20. Jahrhundert war Rauma der führende Hochseehafen Finnlands. Die ersten Dampfer eroberten die Weltmeere, und die Industrialisierung hielt ihren Einzug.

Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich Finnland von einer Landwirtschaftsnation zu einer Industrienation. Auch Rauma wandelte sich vom Seehandels- und Bildungszentrum zur Industriestadt. Nach dem zweiten Weltkrieg verstärkte sich der Trend rapide. Heute ist Rauma ein bedeutendes und vielseitiges Industriezentrum - und ist dabei eine Stadt zum Wohlfühlen geblieben, die heute mehr Menschen denn je ihr Zuhause nennen.

Quellen:
Halmeenmäki u.a. 1991. Rauma. Rauma, Oy Länsi-Suomi.S. 146 ff.
Eino Mäkinen 1954. Raum o ain Raum. Helsinki,
Kustannusosakeyhtiö Kivi. S. 79 ff.
Leino, Nurmi-Nielsen, Vaahtoranta. Rauman seudun kotiseutukirja

Aktualisiert: 11.04.2006