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Raumaer Spitzen
Spitzendekorationen erfreuten sich im 16. Jahrhundert rasch wachsender
Beliebtheit an den europäischen Höfen. Aber wer brachte die Kunst des
Klöppelns ins abgelegene Rauma? Franziskanermönche? Nonnen des
Brigittenordens? Seeleute? Eine holländische Adlige? Genaues ist nicht
bekannt, doch bereits im 18. Jahrhundert war das Klöppeln ein verbreiteter
Broterwerb in unserer Stadt.
Für das Jahr
1754 sind Herstellung und Verkauf von 4000 Ellen Rauma Spitzen verbürgt. Das
sind mehr als 2,4 Kilometer! Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren mehr als
die Hälfte der Stadtbewohnern in Herstellung und Vermarktung der berühmten
Spitzenwaren involviert. In der ganzen Stadt gab es rund 600 Klöppelkissen.
Anfang des
19. Jahrhunderts wurden die Klöppelmuster variantenreicher und immer feinere
Garne wurden importiert. In jener Zeit wurde auch die Klöppelschule in Rauma
gegründet.
Als in den
vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts Spitzenhäubchen allmählich aus der
Mode kamen, ging die Nachfrage nach Klöppelspitzen zurück. Entsprechend
verlagerte sich in Rauma der Schwerpunkt der Produktion von Kleidungsstücken
hin zu Heimtextilien. Ende des Jahrhunderts kam es zu einem
zwischenzeitlichen Geschäftseinbruch, als immer mehr industriell gefertigte
Billigspitze auf den Markt kam.
Der gute Ruf
der handgefertigten Rauma Spitzen sorgte jedoch für eine rasche
Wiederbelebung des Interesses in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Seither konnte Rauma seine Stellung in diesem exklusiven Geschäft weiter
festigen. Derzeit wird das Klöppelhandwerk von rund 150 Einwohnern gepflegt.
Lokales
Engagement spielt weiterhin eine wesentliche Rolle bei der Erhaltung dieser
Traditionskunst. In Rauma werden regelmäßig Kurse und Ausstellungen zum
Thema Spitze veranstaltet. Garn und Zubehör sind ohne Schwierigkeiten
erhältlich, ebenso Muster und Anleitungen. Auch die Vermarktung der Rauma
Spitzen wird professionell betrieben.
Seit 1971
findet in Rauma jährlich Ende Juni die Spitzenwoche statt, die Besucher aus
ganz Finnland und sogar aus dem Ausland anzieht.
Aktualisiert:
11.04.2006
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